Wie erkenne ich solche Täter?

Diese Täter lassen sich nicht an einem einzelnen Merkmal, einer bestimmten Geste oder einer festen Liste von Verhaltensweisen erkennen. Selbst Menschen, die dieses System und seine Psychologie seit Jahren kennen, erkennen einen solchen Ideologen nicht immer sofort. Manche erscheinen über lange Zeit vollkommen normal, natürlich und ausgesprochen freundlich.

Erkennbarer werden sie häufig erst innerhalb eines Gesprächs und in ihrer Reaktion auf einen anderen Menschen. Solange ihnen ihr Gegenüber sympathisch ist, ihnen zustimmt oder aus ihrer Sicht keine Gefahr darstellt, können sie offen, persönlich und völlig ungezwungen wirken. Das verändert sich oft in dem Moment, in dem ihnen etwas an der anderen Person nicht mehr passt. Vielleicht widerspricht sie, stellt eine unangenehme Frage, zeigt eine andere Haltung oder lässt sich nicht so beeinflussen, wie es erwartet wurde.

Dann kann ein auffälliger Rollenwechsel stattfinden. Die betreffende Person wirkt plötzlich weniger persönlich, sanft unnatürlich, auffallend distanziert oder ausgesprochen kalt. Andere wechseln in eine übertrieben freundliche, künstlich ruhige oder besonders verständnisvolle Rolle. Hinter dieser Fassade können sich Ironie, Zynismus, Spott, Abwertung oder eine kaum offen ausgesprochene Einschüchterung verbergen.

Diese Rolle erfüllt mehrere Zwecke. Sie schafft Abstand und verhindert, dass die Person weiterhin offen zeigt, was sie tatsächlich denkt oder empfindet. Gleichzeitig kann sie damit ihre eigene Unsicherheit, Abneigung, Angst oder innere Anspannung verbergen. Vor allem aber erhält sie durch diese Rolle die Möglichkeit, den anderen unauffällig zu beeinflussen, zu provozieren oder aus dem Gleichgewicht zu bringen, ohne selbst offen aggressiv zu erscheinen. Manche legen in dieser manipulativen Rolle zudem auffällige oder unnatürlich wirkende Verhaltensweisen an den Tag – beispielsweise ungewöhnliche Bewegungen der Arme, Augen, des Kopfes oder des Mundes. Menschen, die diese Zusammenhänge nicht kennen, nehmen solche Auffälligkeiten meist lediglich als persönliche Eigenarten oder als gewöhnliches Verhalten der betreffenden Person wahr. 

Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie sich jemand verhält, sondern wann sich sein Verhalten verändert und was diese Veränderung beim Gegenüber bewirkt. Wird die Person immer kälter, während der andere unsicherer wird? Bleibt sie künstlich freundlich, während sie zugleich kleine Spitzen setzt? Greift sie genau die Punkte wieder auf, auf die der andere zuvor empfindlich reagiert hat? Nutzt sie dessen Verwirrung, Ärger oder Angst anschließend als Bestätigung dafür, selbst überlegen und im Recht zu sein?

Gerade dieser Zusammenhang ist ein wichtiges Merkmal. Ein gewöhnlicher Mensch kann ebenfalls gereizt, abweisend, ironisch oder unfreundlich reagieren. Er kann sich später jedoch häufig wieder beruhigen, den anderen wahrnehmen, den eigenen Anteil erkennen oder zu einem normalen Gespräch zurückfinden. Der hier beschriebene Ideologe nutzt die Reaktion des anderen dagegen weiter. Zeigt das Gegenüber Irritation, Stress oder Schwäche, wird nicht aufgehört, sondern häufig noch feiner nachgesetzt – manchmal weiterhin mit freundlicher Stimme und ruhiger Miene.

Auch einzelne körperliche Auffälligkeiten können in solchen Situationen auftreten: demonstratives Zeigen der Zähne, auffälliges Schmatzen vor einem Satz, ungewöhnlich laute Atemgeräusche, bestimmte Kopfbewegungen oder eine plötzlich veränderte Mimik. Solche Signale beweisen für sich allein überhaupt nichts. Laute Atmung kann beispielsweise durch Stress, Angst, Anstrengung oder eine harmlose Gewohnheit entstehen. Bedeutung bekommen solche Auffälligkeiten erst durch den Zusammenhang: Treten sie gerade dann auf, wenn eine andere Person eingeschüchtert, abgewertet oder manipuliert werden soll? Wiederholen sie sich bei vergleichbaren Themen und Situationen? Passen sie zu den Worten, zur Tonlage und zur gesamten Reaktion?

Besonders sichtbar werden diese Menschen häufig dann, wenn sie sich einem anderen überlegen fühlen. Ebenso deutlich können sie werden, wenn sie unter Gleichgesinnten sind und gemeinsam auf jemanden einwirken, der nicht zu ihrem System gehört. In solchen Situationen unterstützen und bestätigen sie einander, während die andere Person immer stärker in die Rolle des Ahnungslosen, Schwachen, Störenden oder Schuldigen gedrängt wird.

Ein Außenstehender nimmt zunächst oft nur eine Merkwürdigkeit wahr. Er spürt vielleicht eine plötzliche Kälte, eine versteckte Abwertung oder eine unnatürliche Freundlichkeit, kann aber noch nicht erklären, was daran auffällig war. Ohne Kenntnisse über diese Psychologie lässt sich das Verhalten kaum richtig einordnen. Man bemerkt möglicherweise, dass etwas nicht stimmt, erkennt jedoch noch nicht die dahinterliegende Methode.

Erst mit zunehmender Erfahrung wird die Systematik deutlicher. Man lernt, nicht nur auf einzelne Gesten zu achten, sondern Sprache, Mimik, Tonlage, Reaktion, Situation und Wirkung gemeinsam wahrzunehmen. Eine Person fällt vielleicht zunächst durch einen kleinen Rollenwechsel auf. Beobachtet man sie anschließend genauer, können weitere typische Verhaltensweisen hinzukommen. Im Zusammenspiel wird dann zunehmend erkennbar, ob es sich um eine gewöhnliche menschliche Reaktion oder um ein wiederkehrendes manipulatives Verhalten handelt.

Das lässt sich jedoch nicht erzwingen. Wer krampfhaft jedes Atemgeräusch, jede Bewegung und jeden Gesichtsausdruck untersucht, wird sich zwangsläufig häufig irren. Es geht auch nicht darum, allen Menschen zu misstrauen oder ständig in Alarmbereitschaft zu leben. Das Erkennen entwickelt sich eher dadurch, dass man die Zusammenhänge versteht und das Verhalten zunächst ruhig auf sich wirken lässt. Wird etwas auffällig, entsteht die Aufmerksamkeit meist von selbst.

In den Medien gilt grundsätzlich dasselbe, allerdings sind die Möglichkeiten dort wesentlich umfassender. Die Manipulation kann über alles erfolgen, was als Bild, Text oder Ton beim Zuschauer ankommt: über Sprache, Betonung, Mimik und Gestik, aber auch über Farben, Kleidung, Schmuck, Schminke, Gegenstände, Bilder, Musik, Geräusche, Kameraperspektiven und die zeitliche Verbindung verschiedener Inhalte.

Auch dort ist ein einzelnes Element kein Beweis. Eine bestimmte Farbe, ein Schmuckstück, eine Bewegung oder ein Gegenstand kann vollkommen bedeutungslos sein. Entscheidend ist erneut die wiederkehrende Verbindung: Welche Elemente treten gemeinsam auf? In welchem thematischen und emotionalen Zusammenhang erscheinen sie? Welche Gedanken oder Gefühle werden davor geweckt und was wird unmittelbar danach gezeigt oder gesagt? Wiederholt sich dieselbe Verbindung über verschiedene Sendungen und längere Zeiträume?

Grobe Manipulationen lassen sich vergleichsweise schnell erkennen. Die feineren Formen erscheinen dagegen häufig vollkommen natürlich und fallen selbst erfahrenen Beobachtern nicht immer sofort auf. Wer diese Zusammenhänge ohne Anleitung verstehen möchte, benötigt deshalb Zeit. Werden die Beispiele und ihre Verbindungen über mehrere Tage, Wochen oder Monate erklärt und gezeigt, kann das Erkennen wesentlich schneller gehen.

Die wichtigste Antwort lautet daher: Man erkennt diese Täter nicht an einem geheimen Zeichen und auch nicht an einer einzelnen auffälligen Bewegung. Man erkennt sie mit der Zeit an ihrer wiederkehrenden Psychologie – an den Rollen, in die sie wechseln, an ihrem Verhalten gegenüber Menschen, die ihnen nicht passen, und an der Art, wie sie Reaktionen, Unsicherheiten und Schwächen anderer für ihre eigenen Ziele nutzen. Erst der gesamte Zusammenhang macht sie sichtbar.

Ansonsten kann ich nur empfehlen, dran bleiben. Du lernst das Erkennen von allein, wenn du einfach nur darauf achtest.

 

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